Den Stein anheben

Literaturarchiv Marbach, Peter Handkes Notizbücher werden der Öffentlichkeit präsentiert, ein Interview (Aufzeichnung: Deutschlandfunk Kultur). Die Büchlein, die nur so groß sein dürfen, daß sie in die linke Gesäßtasche passen, sind keine Tagebücher im geläufigen Sinn – sie enthalten nichts Intimes, Privates oder Persönliches. Er sei nicht einmal in die Versuchung geraten, in sie einzutragen, was in solche Richtung geht, sagt Handke.

Die Notizbücher seien kein Werk, sagt er. Ein Werk erfordere ganz andere Anstrengungen. Einige Sätze aus dem Gespräch: „Ich halte das fest für die Welt … Ich will was geben … Ich will was überliefern.“

Vielleicht dies: bekunden, wie es war (20./21. Jahrhundert), dem Wert und der Würde des Lebendigen nachzuspüren, eine Sprache zu suchen, die den Phänomenen nahekommt, fast so, als sprächen sie selbst. Leise sein und lauschen; Menschen meiden, da sie laut sind und dazu neigen, andere zu übersprechen.

Streben nach Unerreichbarem, ähnlich dem Turm, der den Himmel berührt, doch nicht so sehr aufwärts, eher schon seitwärts, dorthin, wo die Dinge in Ruhe gelassen werden. Wie dieser Stein am Wegesrand, den niemand braucht. Und doch liegt er dort, ungefragt und beinahe zufällig. Hebt man ihn an, wird sichtbar, daß unter ihm gelebt wird.


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