Sicher ist nichts

Den Gesicherten glaube ich kein Wort, ebenso wenig wie den Ungesicherten. Ich kann mir nach wie vor (seit etlichen Jahren also schon) keine Sicherheit vorstellen, die nicht aus dem Inneren, also lediglich aus dem Äußeren kommt. Das liegt an der Erziehung. Karriere galt als fragwürdig, Ehrgeiz als Zeichen minderer Bemittlung. Wer es nötig hat, macht Reklame; Bescheidenheit siegt; der Klügere gibt nach. Tugenden einer gewissen Vornehmheit, sagen wir: einer skeptischen Zurückhaltung. Wer sich vordrängt, ist verdächtig, wer unbedingt gesehen werden will, bemitleidenswert. Deshalb beäugte man uns früher einmal, wir waren fragwürdig, meine Brüder und ich. Nur daß wir so erzogen wurden, uns nicht über andere zu erheben. Aus dieser Erziehung haben wir nicht herausgefunden, vielleicht ist das gut. Ich könnte nach einem Ausgang suchen, nur mag ich derzeit nicht. Noch sitze ich gern und ordne mich ein, verhalte mich brav. Ich genieße das, es ist wie ein Räkeln in der Sonne, ein gelangweiltes Gähnen. Schon schreit der Hahn, doch er lebt im Hühnerhof.


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