Stimmungssache

Es gibt diese Familien, in denen wird über Stimmungen und Launen regiert. Psst, Mama schläft, sei leise und lieb, ihr ist nicht gut. Besser du gehst heute Papa aus dem Weg, er ist angefressen. Das macht die Kinder ängstlich und sensibel, denn sie fürchten den Ausbruch des Ungemachs. Sie sind die Schwächsten, ziehen den Unmut auf sich, können sich kaum wehren. Was da eingeübt wird, ist die Anbetung des jeweiligen Gefühls und der diktatorischen Willkür sogenannter Liebe. Auf diese Weise werden Untertane erzogen – im stetigen Bangen um Zuneigung und Anerkennung. Ein Machtmittel ersten Ranges ist dieses Gewähren oder Versagen von Gefühl, und wir alle kennen es, und wir alle können es aus dem Effeff, wir sind Eingeborene der Diktatur des Gefühls und kuschen, wenn die Labsal ausbleibt, wenn die Liebesgabe versagt wird. Deshalb sind wir erpreßbar und schwach, deshalb gibt es Chefs und kleine Mucker, die zu winseln beginnen, wenn Frauchens oder Herrchens Hand sie nicht streichelt. Ein Ooooh auf die Psychologie, diese bürgerlichste aller Wissenschaften neben der Ökonomie. Da lernt man Herrschaft.


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