Der Hofnarr und seine Späße

In der Kunst kann der Mensch spielen. Ein freies Spiel – ohne Verantwortung, wie es scheint. Die „Diktatur der Kunst“, die der postdemokratische Jonathan Meese ausruft, ist ein wagnerianisches Zirkuspferd – mit ihm kommt man nicht weit. Daß die dekadente Kunstwelt ihn als Vortragskünstler herumreicht, um sich mit ein paar einfachen Tricks bloßstellen zu lassen, sagt einiges über die Wehrlosigkeit des Bestehenden. Die Richtung ist abhanden gekommen, mit ihr die Orientierung. Was soll darf muß kann Kunst? Provozieren – warum denn das und wen? Inspirieren – zu was? Die Kunstmärkte warten auf einen neuen turn. Was ist Kunst wert? Wer definiert Kunstwerte und -werke? Die Inflationsgewinne sind eingestrichen, die Kunstblase wird zerplatzen. Denn längst ist alles Kunst, demnach nichts. Die Absolventen der Kunsthochschulen werden angehalten, aktuelle Trends zu verfolgen und opportunistisch zu handeln. Man will mit Kunst sein Geld verdienen, das nennt sich frei. Meese spricht aus, was alle wissen, und wird beklatscht. Aber die Wende wird verschoben, denn am Alten hängen Posten und Gehälter. Sie machen weiter so, hilflos und zynisch, und warten insgeheim auf eine Revolution (die sie exekutiert).


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