Skizzen

Das läßt an Vorläufiges denken, an einen Versuch, einen Entwurf, die erste Fassung einer Idee. Eine Skizze ist unvollkommen und darf das sein. Man sieht ihr an, daß es so nicht geht. Die Skizze ist Experiment und Improvisation, sie entsteht in einer schnellen Bewegung, damit ein Einfall nicht verloren geht; sie bewahrt das Flüchtige vor dem Verschwinden. Wer sein Skizzenbuch zeigt, gewährt Einblicke in die Werkstatt, läßt sich auf die Finger schauen. Skizzen sind Studien eines Enstehens, Stadien einer Entwicklung.

Skizzen haben wir unsere Veranstaltungsreihe genannt, um genau dies zu betonen: daß wir nicht fertig sind mit dem, was wir gerade tun. Wir präsentieren einen Rohling, einen Neuling, einen inneren Fund. Er mag fehlerhaft sein und ungenügend, und doch ist er uns wert. Vielleicht sind wir romantisch und verehren das Fragment, vielleicht sind wir realistisch und mißtrauen der Perfektion. Mich interessiert nicht, wer du wirst, mich interessiert, wer du bist.

Skizzen sind offen — das Werk schließt sich ab. Skizzen sind hungrig — das abgeschlossene Werk ist satt. Die Skizze muß noch bangen und kämpft um ihr Recht. Sie gleicht dem Lebendigen, das nicht fertig ist mit sich und dem Leben, sondern weiter wächst und sucht und zu finden hofft. Wir sind auf dem Weg nach sonstwo, ein jeder für sich. Ab und zu treffen wir uns, dann gibt es Skizzen, die sind wie kleine Geschenke, die machen wir gern.

Dies auf die Schnelle und skizzenhaft. Wir sehen uns unterwegs.


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