Prätentiös heißt: anmaßend, gewollt, affektiert, anspruchsvoll, fordernd, erstrebend, gewollt. Prätentiös ist das Vorgeben von etwas, das nicht ist. Prätentiös ist das Getue um den Abspann im Kino, diese Weihestunde des Ausklangs (siehe Text unten), wenngleich ich verstehe, daß man runterkommen muß, wenn der Film einen hinaufgejagt hat, nur gelingt mir das Runterkommen besser, wenn ich nicht die tausend Namen im Abspann sehen muß, die heruntergeleiert werden, während eine Schlußmusik dem Film ein allerletztes Ende bereitet. Prätentiös ist das lange und demonstrative Stehen an einem offenen Grab, in dem jemand liegt, der wichtig war und ist. Umdrehen und gehen, später wiederkommen, wenn die Leute weg sind. Prätentiös ist das schlimme Vortragen von Gedichten, als sei sonstwas gesagt, wenn die Verse enden mit drei vielsagenden Punkten oder den Worten: aber der Wind. Dem Wind ist alles recht, das kann man wissen, der weht auch zur Kirmes, wenn die Kinderleiche unter dem Karussell gefunden wird oder der Schlagersänge Schöne Maid singt. Prätentiös ist falsches Pathos. Als wir Schüler waren, sagten wir Will und kann nicht.
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