Nichts heraushören

„Zuletzt kann niemand aus den Dingen, die Bücher eingerechnet, mehr heraushören, als er bereits weiß. Wofür man vom Erlebnisse her keinen Zugang hat, dafür hat man kein Ohr. Denken wir uns nun einen äußersten Fall, daß ein Buch von lauter Erlebnissen redet, die gänzlich außerhalb der Möglichkeit einer häufigen oder auch nur selteneren Erfahrung liegen, – daß es die erste Sprache für eine neue Reihe von Erfahrungen ist. In diesem Falle wird einfach nichts gehört, mit der akustischen Täuschung, daß wo nichts gehört wird, auch nichts da ist –. Wer etwas von mir verstanden zu haben glaubte, hat sich etwas aus mir zurecht gemacht, nach seinem Bilde, – nicht selten einen Gegensatz von mir, zum Beispiel einen Idealisten; wer nichts von mir verstanden hatte, leugnete, daß ich überhaupt in Betracht käme. – Das Wort Übermensch zur Bezeichnung eines Typus höchster Wohlgeratenheit, im Gegensatz zu modernen Menschen, zu guten Menschen, zu Christen und anderen Nihilisten – ein Wort, das im Munde eines Zarathustra, des Vernichters der Moral, ein sehr nachdenkliches Wort wird, ist fast überall mit voller Unschuld im Sinn derjenigen Werte verstanden worden, deren Gegensatz in der Figur Zarathustras zur Erscheinung gebracht worden ist, will sagen als idealistischer Typus einer höheren Art Mensch, halb Heiliger, halb Genie.“

Friedrich Nietzsche, Ecce home


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