Lyrik auf Instagram? Ein Artikel von Gerhard Lauer in der Neuen Zürcher bringt mich auf die Seite von Rupi Kaur. 25jährige Lyrikerin aus Toronto, im Alter von vier Jahren mit ihrer Familie aus Indien nach Kanada emigriert. Über das Schreiben von Gedichten lernte sie die englische Sprache – das ist ein schöner Weg. Auf Instagram folgen ihr mehr als zwei Millionen Menschen, ihre beiden Gedichtbände verkaufen sich. Sie schreibt über Liebe und Identität, Erkenntnisse und Enttäuschungen, Themen ihres eigenen Lebens. „if i’m not going to be the love of your life / i’ll be your greatest loss instead“. Doch wie liest es sich, wenn neben jedem Gedicht ein Photo der Schreibenden zu sehen ist? Rupi mit Basecap in einer Tiefgarage, Rupi auf einer mittelalterlichen Mauer mit Sonnenbrille, Rupi im Sari vor indischer Flußlandschaft. Zeigen die Photos auf die Gedichte oder ist es umgekehrt? Immerhin die Botschaft scheint klar: ich bin schön, ich bin klug, ich bin kostbar. Eine Attitüde, wie sie Instagram-Auftritten eigen ist, glamouröse Präsentation und Selbstbespiegelung. Funktion: Selbstfindung und Ichversicherung vor Zeugen und Bewunderern. Genau so, wie sie dort zu sehen ist, möchte Rupi Kaur gesehen werden, wie ein Popstar möchte sie leuchten und scheinen und erkannt werden als das, was sie (nicht) ist.
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