Später einmal besser haben

Als Jugendlicher wehrte ich mich gegen einen Satz, der von Eltern damals hin und wieder noch zu hören war: Unser Kind soll es später einmal besser haben. Ein Nachkriegsdeutschlandsatz aus dem Arbeiter- und Kleinbürgermilieu. Wunsch nach sozialem Aufstieg, materiellem Wohlstand und technischem Fortschritt. Und dann? Was sollte denn dann erfolgen – nachdem aufgestiegen, Wohlstand erreicht und der Fortschritt erzielt worden war?

Ich wehrte mich gegen diesen etwas treuherzigen Wunsch, da er mir ungerecht erschien. Wenn die Eltern zu kämpfen hatten, wollte ich selbst das auch tun, mein Eigenes beitragen zu einem Leben, das zu führen ich mir vorstellte. Es würde sich von dem meiner Eltern unterscheiden, das wußte ich längst. Aber es besser haben? Nein, nicht besser (materiell), sondern anders. Zum Glück sagten sie diesen Satz ja auch nicht und dachten auch nicht so.

Nun haben sich die Aufstiege ereignet, ein zuweilen bereits abstrus anmutendes Wohlstandsniveau ist erreicht, der technische Fortschritt hat mit seinen bunten und smarten Produkten die Welt verändert. Was jetzt? Noch mehr Fortschritt, noch mehr Aufstieg, noch mehr Wohlstand? Wem fehlt noch was, bitte melden! Die Abgeschlagenen und Elenden melden sich nicht zu Wort, die leben leise nebenan. Allenfalls sie fühlen noch diesen Wunsch, den ich zwar verstehe, aber nicht teile.

Nicht innerhalb dieser Wohlstands- und Wegwerfgesellschaft. Wir haben uns gegenseitig das Falsche beigebracht. Wir haben uns beibringen lassen und beigebracht, immer noch mehr zu wollen und zu brauchen. Warum sage ich „wir“? Ich sage wir, da ich Teil dieser Maschinerie bin, selbst wenn ich mich noch immer außerstande sehe, brauchbare Gegenstände in den Müll zu werfen oder auf dem Flohmarkt einen Platz zu mieten und das Zeug zu verscherbeln.

Hier hat sich eine Menge angesammelt mit den Jahren. Auch ich bin Zeuge einer kollektiven Wunscherfüllung. Und die Armen träumen die Träume der Reichen. Zeit für bessere Träume.


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