Ich entsinne mich, wie ich als Kind vergeblich versuchte, „gut“ zu sein. Brav und artig, folgsam. Es ging nicht, dauernd passierte irgendwas. Ich vergaß während des Spielens, daß ich die Toilette aufsuchen muß, wenn es drückt. Meine Oma sagte, ich solle vorm Zu-Bett-Gehen beten – ich schaffte es nicht, mir fiel nichts ein. Ich hackte mir beinahe den linken Zeigefinger ab, da ich ein Stück Holz zerteilen wollte, um mir eine Indianerfigur zu schnitzen. Das Beil war mir ausdrücklich verboten. Ich versprach, meinen älteren Bruder nicht zu ärgern, und zerriß ihm kurz darauf ein Blatt Papier, auf dem er gezeichnet hatte. Ich tat es nicht aus Versehen, es geschah absichtlich. Ich beleidigte eines unserer Nachbarmädchen und schämte mich monatelang dafür, zumal ich gar nicht wußte, was Nutte eigentlich bedeutet. Starke Schuldgefühle und jedes Weihnachtsfest zwischen Hoffen und Bangen. Warst du denn auch immer schön artig? Ich ging davon aus, daß der Weihnachtsmann nichts für mich übrig hat und ich nichts bekomme. Überraschung am Heiligabend, daß da Geschenke lagen auch für mich.
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