Wie eine Sache witzlos wird – das erleben wir zur Zeit. Ein Stagnieren, eine Lustlosigkeit; ein inneres Abschiednehmen bei äußerer Beteuerung, daß es weitergeht und wie es geht, gut geht. Etwas ist an sein Ende gelangt: vielleicht nicht diese Republik, vielleicht noch nicht diese Zivilisation, so aber doch gewisse Konstellationen und Allianzen. Müde Akteure, langweiliges Theater, wenig im Spiel (scheint es). Kein Wurf, kein Wagnis, kaum Gewinn. Kollektives Weitermachen, denn Es geht uns so gut wie nie.
Die Nachkriegsgeneration hat gesprochen und hört nicht auf zu reden. Europa ist wie Deutschland: mißgünstig, geizig und neurotisch. Es gibt die Sprech-Idee eines Wir, einer Gemeinschaft der Davongekommenen, des Nie wieder wollen wir gegeneinander kämpfen, und diese Idee ist richtig und kann auch weitergeführt werden, nur wäre es schön, wenn Europa mehr sein dürfte als lediglich Registratur.
Merkel muß weg, skandieren die Rechten. Das ist billig, denn Angela Merkel ist, wie ihre rechten oder linken Gegner, lediglich (aber immerhin) Symptom. Symptom für die (wen wundert’s) uninspirierte Verwaltung einer einstmals guten Idee. Ob Verwaltung Bewahrung oder Bewährung ist, weiß niemand genau. Europa wird beschworen, der Freihandel auch. Wenn wir nicht mehr reden und uns nichts mehr verkaufen, führen wir demnächst Krieg. Das beruht auf Erfahrungen.
Wie eine Sache witzlos wird – so habe ich begonnen. Wenn eine Sache witzlos wird, fehlt der Reiz. Man wird zum Zuschauer, obwohl man mehr geben könnte. Die Situation ist fast schon nostalgisch – so verloren, kaputt und trostlos erscheint die Gegenwart der Politik, ob pro oder anti. Es gibt auch keine Intellektuellen, denen einfällt, was nicht bereits die Journalisten verbreiten.
Ich will mich nicht davon abwenden, obwohl ich dauernd möchte. Am liebsten möchte ich den Tisch umwerfen und ein neues Spiel einfordern, wie ein Gentleman, wie ein Hasardeur. Doch das alte Spiel läuft noch, und ich rauche nicht. Also schaue ich aus dem Fenster und applaudiere den Mauerseglern. So sieht es aus, das ist fast schon alles. Und wenn noch einmal jemand Mesut Özil verantwortlich macht für den fußballerischen Nationalquark, dann schicke ich eine Torte (Frankfurter Kranz) an den DFB, auf dem steht Schöne Verlierer.
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