Berlin ist von München genauso weit entfernt wie München von Berlin. Jetzt bin ich wieder hier, habe tief geschlafen, seltsam geträumt. Es ging um einen Jungen, der fortgelaufen war. Gleich gibt es das Endspiel der Fußballweltmeisterschaft. Zurück in der Welt der Informationen: Meinungen, Einschätzungen, Vermutungen, Tanz und Taumel der Buchstaben, Geflacker der Filme und Bilder – dem, was andere machen, sagen oder senden. Anstrengend. Menschen sind anstrengend, da sie angestrengt sind. Ich selbst bin anstrengend genug für mich. Was wollen die bloß alle? Wollen sie Recht und wollen sie Ordnung? Wollen sie Anerkennung und Liebe? Man muß lernen sich zu schonen, um halbwegs unbeschadet da zu sein, wenn es wirklich darauf ankommt. Wenn es darauf ankommt, sich füreinander in die Bresche zu werfen. Das Kleingeistige zermürbt noch die feinsten Körper und Köpfe, es wirkt wie Gift, eine täglich verabreichte Dosis Konfusion. Als ich hier in die U-Bahn stieg, saß da ein Paar. Er war aufgepumpt und trug ein T-Shirt, auf dem stand: „Fuck you bitch, I’m the boss“. Sie war stark geschminkt, blondiert und ein bißchen porno. Ihr Sohn saß auf seinem Protz-Bike und bestand darauf, sitzen zu bleiben, obwohl der Zug anfuhr. Er war vielleicht acht oder neun Jahre alt, fett und tyrannisch, drohte seinen Eltern. Bei Vollbremsung würde er zum Geschoß, das durch Türen und Wände kracht. Im Blick des Vaters sah ich Furcht, während die Mutter auf gute Laune machte.
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