Übernommen

Selbstbestrafung. Du bist nichts wert, wenn du nicht Leistung erbringst, nicht erfolgreich zu sein vermagst. Die Strenge gegenüber sich selbst. Unverzeihlichlichkeit. Akte der Autoaggression, der Repression. Nicht herausfinden aus einer Bedrängung namens Kindheit. Die Eltern sprechen dem Kind einen Wert zu – oder sie verweigern das oder knüpfen daran Bedingungen. Nur wenn du brav bist, lieben wir dich. Nur wenn du der Beste bist, haben wir dich gern. Also streng dich an, gefälligst. Das klingt alt und abgegolten, doch daß es alt und abgegolten klingt, heißt nicht, daß es alt und abgegolten ist. Es werden Forderungen erhoben in diesen Familien, über die ich soeben spreche, die schwindlig machen und entsetzlich sind. Entsetzlich: jemanden entsetzen. Das ist wie falsch sein, wie zufällig, wie plemplem. Das ist Höchststrafe, das ist lebenslang. Sieh doch nur, wie sich bestrafen, ganz und selbst, ohne Eltern, ohne Erzieher, es steckt in ihnen, sie fordern es, sie mögen es, sie propagieren es. Schlagt ein auf die Schwäche, verzeiht euch nichts, seid wachsam allezeit und spekuliert nicht auf Gnade. Aber wer tröstet euch, darf ich das fragen, wer hat Trost für euch Geschundene?


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