Nachmittags und zuvor

Durch diese warme, körperhafte Luft zu laufen ist ein Erlebnis. Man muß sich Zeit lassen, sich nicht gegen sie wehren. Langsamen Schrittes den Boulevard entlang, um eine Sprühflasche zu kaufen, wie sie benutzt wird zum Befeuchten empfindlicher Pflanzen – damit will ich die Vorhänge einsprühen, auf die die Sonne knallt. 35°C, vor den Geschäften sitzen die Männer auf Stühlen und sprechen leise oder schauen nur. Die Verkäuferin im 1-Euro-Shop hält sich sehr gerade, trägt ein Kopftuch und ist würdevoll. Ich habe mich verzählt, sie gibt mir den überzahlten Betrag zurück, ich bedanke mich. Langsam zurück zur Wohnung. Im Schatten an der Hauswand liegen zwei Hunde mit hängender Zunge, ihre Frauchen tauschen Neuigkeiten aus. Morgen wird es noch heißer, sagt die eine. Eine Affenhitze ist das, sagt die andere. Vorm Wettbüro sind die Plätze unbesetzt, oft sitzt da einer, der schreit die Leute an, beschwert sich. Es geht ihm nicht gut, ich habe neulich mit ihm gesprochen. Kein Gluck, sagte er, is scheise, kein Gluck. Er kommt aus Afrika, ich mochte nicht fragen, aus welchem Land.


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