In den Fernbus luden sie Taschen, Koffer und Säcke, stopften Tüten und Beutel unter die Sitze, quetschten Reiseverpflegung und Jacken in die Hutablage, umarmten sich, küßten, schüttelten Hände, sagten letzte lose Worte und winkten noch, als der Bus schon Richtung Autobahnzubringer abbog: sechsundzwanzig Stunden Fahrt vor uns, Klimazonen und Landschaften durchquerend: Mittelgebirge, Hochebene, Hochgebirge, Tiefebene, Küstenstreifen, Karst, Pinkelstopp an Raststätten, zwei Fahrer an Bord, Nachtfahrt. Auf dem Sitz zusammengekrümmt, Kopf ans Fenster gelehnt (Vibrationen), linke und rechte Pobacke abwechselnd, irgendwohin die Beine, ein Geschmack im Mund nach letztem Brot und Gurke, Wasserflasche leer, Sitznachbarin eine breithüftige Frau mit ländlichem Kopftuch und Strickjacke, schnarchend. Der Fahrer nahm die kurvenreiche Küstenstraße, als sei der Teufel hinter ihm her oder uns allen. Wohin wollte ich? Je weiter wir fuhren, desto durchdringender der Gedanke: das mußt du alles wieder zurück. New Adventures in Hi-Fi auf dem eigens für die Fahrt geliehenen Sony-Discman. Ich hatte gedacht, ich wollte auswandern – fühlte es immer weniger, nur noch ein bißchen. Als wir die Hafenstadt erreichten, war es weg. Begrüßung und ab ins Landesinnere, wo sie Krieg geführt hatten und sich fürchten mußten voreinander.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.