Die unverriegelte Tür

Niemals (zum Glück) wurde als Kind ich eingesperrt oder verwahrt, doch man versuchte mich während des Schwimmunterrichts unterzutauchen oder in den Schwitzkasten zu nehmen bei einer Rangelei oder unter der Bettdecke zu ersticken lustigerweise. Ich strampelte mich frei oder flehte um Gnade. Ich lebe ja noch. Aversionen gegen sämtliche Formen des Eingesperrtseins oder Eingesperrtwerdens, der Gefangenschaft, der verschlossenen, der verriegelten Tür. Ich würde platzen, mein Körper explodieren, mein Kopf in Stücke gehen oder sich zerfetzen, wenn ich mir denke, man hielte mich verschlossen in einem Raum, einer Kammer, einer Zelle, und ich müßte wissen, da komme ich nicht wieder raus. Menschen sind anpassungsfähig, höhnt es von irgendwoher. Ja, das ist wahr. Ich fühlte mich eingesperrt und verwahrt nahezu überall: Schule, Bundeswehr, Studium, Liebe, Freundschaft, Familie, Verwandtschaft. Man muß mich sehr früh inhaftiert haben, unterhalb meines Bewußtseins und hinter der Erinnerung.


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