Ausflug in die Wörter

Auf dem Schreibtisch liegt der große Wahrig, das Deutsche Wörterbuch. Mit einem Lexikon der deutschen Sprachlehre. 1.493 Seiten, geschätzt viereinhalb Kilogramm beschriftetes und gebundenes Papier, ein „Wälzer“, wie man das einmal nannte. Schlage ich ein Wort nach, muß ich mich zu ihm vorarbeiten, das kommt einer Durchschlageübung gleich. Ich verfange mich in der Nachbarschaft der Wörter, gerate in Begriffe und Bedeutungen, die ich nicht gesucht, nun aber gefunden habe. Diese Streifzüge des Auges sind lehrreich und voller Überraschungen, ein großes Vergnügen. Ich suche nach Dilettant und stoße auf Dehnungsfuge und deinetwegen. Dann steht da die Deifikation am Wortrand (Vergötterung oder Vergottung). Endlich habe ich mich richtig verlaufen, mein Ziel kurzerhand übersprungen und bin bei Docke angelangt. Das ist ein Bündel Garn, „in Strähnen gelegtes und lose zusammengedrehtes Garn, auch als Garnmaß“, aber auch eine „Getreidepuppe“, eine „Geländersäule“, eine „Togge“. Von Togge werde ich zurückverwiesen nach Docke. Ich suche im Internet nach Togge und finde nichts, lese unter Docke im Wörterbucheintrag weiter unten: „< mhd. tocke ‚Puppe, Mädchen; walzenförmiges Stück, Stückholz, Schwungbaum der Schleudermaschine; Bündel, Büschel'“. Ich kehre heim von meinem Ausflug und habe Dilettant vergessen.


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