Auf der Stumpenkerze aus dem Kaufhaus steht „backe, backe ZIMTSTERNE“ – ich nahm an, es sei auf die Folie gedruckt, doch es steht auf dem Wachs – auf der einen Seite die Zutaten mit Mengenangabe (Haselnüsse, Eiweiß, Puderzucker, Mandeln, Zitronensaft, Zimt), auf der anderen die Zubereitung. Die Kerze brennt, ich habe sie so gedreht, daß ich möglichst wenig vom Bedruckten sehen muß. Mißgriff, Fehlkauf, Irrtum. Ich hätte es mir denken können, habe es mir aber nicht gedacht. Die Gegenstände des Alltags sind voller Tücken, und vor dem Weihnachtsfest bin ich vor gar nichts sicher. Es werden Gefühle gekauft und verkauft. Das ist säuisch, aber wahr. In der Adventszeit letztes Jahr sah ich eine Zuckergußlawine Deutschland unter sich – nein, nicht begraben, sie floß nur durch, schob sich langsam und klebrig durch die Hauptstraßen, quoll in die Seitenarme des Verkehrs, kleckerte in die Keller und die Öffnungen zur Kanalisation. Niemand konnte mehr laufen, die Sohlen klebten fest. Niemand mehr fahren, Autos steckten fest. Passanten standen auf den Stufen der Geschäfte und der Hauseingänge und sahen zu, wie die braunweiße Masse vorbeifloß, weniger Lawine, eher schon einem Lavastrom ähnelnd, und doch etwas vollkommen Neues, bisher nicht Gesehenes. Wo kommt das her? fragte eine Stimme. Sicher von Gott, spottete ein Sohn, fünfzehn Jahre, alt genug für alles.
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