Taumel

Wenn wir uns selbst über sind, beginnen dann nicht die Massaker? Die Entwertung des Menschen durch die (wie man sagt) nackten Zahlen seiner Anwesenheit und Ausbreitung. Bilder vom Time Square, vom Brandenburger Tor zu Silvester, Bilder aus Venedig. Guido Ceronetti – Venedig sterben lassen! Wie erhalten wir uns die Idee einer existentiellen Würde angesichts dieses Mengen- und Masssendebakels? Indem man „ich“ sagt, lügt man doch nicht. Als ich mit den neuen Schuhen unterm Arm die Flughafenstraße emporlief, vorbei an Ironic Gallery und A Burger a day keeps the doctor away, dachte ich schrittweise nach über Demut und Demütigung, den Unterschied zwischen beiden. Ich mag nicht auf Menschen schimpfen, sie auch nicht verachten, verunglimpfen, sonstwas – ich bin selbst Mensch, ich mag mich nicht beschimpfen oder verachten. Ich möchte ein wahreres Bild errichten als jenes, an das ich mich gewöhnt zu haben scheine in dieser eigenartig flirrenden und seltsam stillstehenden Zeit – als sei geschossen worden und wir sind noch taub vom Knall.


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Taumel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert