Die verstellte Uhr

Erwachen und Schnee sehen. Sieht aus wie Puderzucker. Nachts diese Anfälle von Spott, denke ich zurück an die großartig-albernen Themen, mit denen ich mich beschäftigt halten könnte. Es steht nun zwei vor zwölf auf der 1947 eingerichteten Weltuntergangsuhr, eigentlich Atomkriegsuhr, Projekt einer Zeitschrift (Bulletin of the Atomic Scientists) und eines Gremiums von Experten und Nobelpreisträgern. Seit ich lebe, steht es „fünf vor zwölf“. Nach Ende des Kalten Krieges stand es siebzehn vor zwölf, zu Beginn der „Installation“ (nach Hiroshima und Nagasaki) sieben vor, „weil das gut aussah“. PR-Sache für den guten Zweck, und doch deprimierend. Mit diesem Zeigerschieben den Widerstand gegen die neuerliche atomare Aufrüstung entfachen? Man kann auch sagen: Hauptsache, irgend jemand tut etwas. Die Menschheit steht kurz vor dem Abgrund – das lese ich nun jeden Tag. Was bewirkt das? Ich sehe den Grand Canyon und eine zusammenströmende Menschenmenge – nein, das sehe ich nicht. Ich sehe überhaupt nichts. Mein Verstand sperrt sich dieser Uhr, vermutlich auch der Bedrohung. Ich kann mir nicht vorstellen, daß die Mächtigen derart dumm oder verbrecherisch oder atavistisch sind. Rückkehr des Tribalismus, Dominanz der Horde, dazu das entsprechende Gebrüll. Da hilft keine Uhr.


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