Magst du ein Wasser trinken? – Nein danke, alles gut. — Hast du genug Platz, soll ich ein Stück rücken? – Alles gut. — War ich unfreundlich gestern? – Alles gut, mach dir keine Gedanken. Alle sagen alles gut, nicht nur ein paar. Redensarten und ihre Bedeutung. Zähe fünf Jahre sagten die gebildeten Stände ständig „sozusagen“. Nun ebbt das ab. Man kann nicht sozusagen leben, gewissermaßen nur, so als ob. Doch, man kann das tun, aber es ist nicht schön. Es ist ironisch. „Alles gut“ sagt man vielleicht, wenn nichts gut ist und das Erträglichste die konkrete Situation ist, zu der man befragt wird. Ja doch, der Platz ist ausreichend, ich bin nicht durstig, Unfreundlichkeit bin ich gewöhnt. Mach dir keine Platte, wie sie im Osten sagen. „Alles wird gut“, versprach damals Nina Ruge in ihrer Nachmittagssendung. Das war nicht Wunschdenken, das war für gute Laune gelogen. Nichts ist gut? – Auch das ist offenkundig Blödsinn. Die Tage werden länger, das Licht kehrt zurück, in den Wohnungen ist es warm und gemütlich. Aber um uns kreisen die Großthemen in apokalyptischem Format, die Welt geht erneut unter. Wir reagieren besorgt, nervös, hysterisch. Es ist wie damals, als wir noch nicht dabei waren, als die bösen Tiere kamen.
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