Reimen

S-Bahnhof Zehlendorf, Wartezeit, auf der Bank vier Jungen mit Schirmmützen auf dem Kopf. Nachwuchsrapper. Sie haben Musik dabei, einer legt los. Deutschrap-Attitüde und Intonation: ich bin nicht ganz von hier, sondern noch von woanders; ich bin nicht gebildet, aber ich bin schlau; ich kenne mich dort aus, wo ihr nicht hinschaut. Der blonde Junge mit dem Undercut, der gerade an der Reihe ist, schlägt sich wacker. Titten reimen sich bei ihm auf Fritten, Digger auf Trigger und bigger, man erkennt das Bemühen. Woanders lernen sie tagsüber, Gedichte zu analysieren und zu interpretieren. Sie tun das für Noten, sonst täten sie es nicht. Mein Zug kommt. Die Vier fahren in die entgegengesetzte Richtung, ich hätte ihnen gern noch ein wenig zugehört. Das sind doch Haus-Maus-Reime, sagte einst Name vergessen. Ja, schon richtig, aber irgendwie fängt es immer an.


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