Amseln rascheln dort im Gebüsch

Garnisonsfriedhof, die Gefallenen der Kriege, Denkmäler. Grabsteine in langen Reihen, Namen und Unbekannte Soldaten. 1914-1918. Im August ging es los, die meisten derer, die hier liegen (wie zu Bett und Ruhe), starben in den ersten Monaten oder ein halbes Jahr nach Beginn der Kriegshandlungen. An einem Grabfeld fing ich an zu zählen: 48 mal 40 ergibt 1.920 Tote. Weiter hinten ein noch viel größeres Grasfeld mit weiteren Toten, mit Namen auf Steinen, manche verwittert und vermoost. Die Gleichmacherei des Todes, nicht einmal einen Namen hat man für sich allein. Wieviele liegen dort, liegen? Fünftausend, achttausend? Ein Eichhörnchen wagte sich aus dem Gebüsch, ich wandte mich ab. Kaum jemand betritt diesen Friedhof, er liegt neben dem Tempelhofer Feld. Eine rote Backsteinmauer trennt die Gräber vom Leben der Gegenwärtigen. Ich floh den Ort, als ich begriff, daß das Geschehene nicht beruhigt werden kann. Die Verbrechen der Vergangenheit, ein Greifvogel schrie. Es gab eine Grabkammer, verschlossen durch eine Tür, als verschlösse sie den Schatz eines Tresors, ich öffnete die Tür dieses Mausoleums, dieser Festung, und fürchtete mich und schreckte zurück und lief, verließ diesen unbedachten Friedhof. Am westlichen Himmel aufgespannt die Bluttücher, endlos lang wie verkürzte Leben.


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