Stellen

Die Tröstungen der Poesie – oft klingen sie gekünstelt und ausgedacht. Daher die Vorsicht bei Reimen. Hand zuckt zurück, der elektrische Strom, historische Ladung. Reim heißt Stimmigkeit, zeigt auf Anschluß, verbindet Behauptung und Beweis. Daher das Spröde, Entziehende, Verweigernde. Moderne Poesie, ein Kreuz ohne Leichnam. Oben und unten sind verblieben, sogar die Himmelsrichtungen, doch das Heil ist fort. Gesänge in die Leere. Hoffen auf Harmonie, daher die zerbrochenen Gebete, die gestotterten Bekenntnisse. Worte wie Wundverbände, wir bluten aus den Stellen unerfüllter Begegnung.


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Stellen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert