Gestern war der Mond noch ein leuchtendes Ei, heute bereits scheint er sich runden zu können. Nicht mehr weit bis Vollmond, das macht alarmiert. Zeit der Spinner, der Unberechenbaren, Zeit des jähen Einfalls von Unvernunft. Noch immer sind die Tage eher zu überstehen als zu meistern, wobei ich mir einen gemeisterten Tag gar nicht erst vorstellen mag. Noch tragen sie hier ihre Wollmützen, auf dem Friedhof für die toten Krieger badete eine Amsel in einer Pfütze. Die Tage ragen ineinander wie gestapeltes Holz. Morgen ist ein Tag, gestern war auch einer. Ich bin nicht besinnungslos, ich staune mich durch. Die Bedeutungen schlagen auf mich ein, und das ist, als müßte ich gezüchtigt werden. Ich möchte nicht gezüchtigt werden, ich mag das Wort nicht, weniger noch das Bezeichnete. Stimmungen sind wie Wolken, sie ziehen auf und ab, wechseln mit dem Wind. Im Museum hängen Bilder ohne Wind und Wetter. Das täuscht.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.