Liebe ist etwas, das ausraubt. Umgepflügt werden, nahezu zerstört. Dem flachen Verständnis nicht zugänglich, schöpferische Zerstörung. Die alten Sachen verbrennen, weg damit. Nicht, weil sie nichts wert waren, sondern weil sie nichts wert sind. Deshalb die Grabsteine, deshalb die Gräber. Damit die Toten irgendwo sind, gebannt und vergraben, unwirksam. Wenn die Vergangenheiten über uns herfallen und wir ihnen das erlauben, sind wir erledigt. Es gibt für das Leben kein Gestern, das Leben ist gewalttätig und opportunistisch. Ich fand es oft genug widerwärtig, ekelerregend, abgeschmackt, billig. Doch damit ist es nicht getan. Man wird es nicht los, nicht aus Gründen des Geschmacks oder der Pietät, auch nicht der endlosen Treue. Wer hat behauptet, daß menschliches Leben schön ist, erfolgreich, glänzend – daß es zu etwas führt und belohnt wird? Und zwar jener, die es bis dahin schaffen? Wohin denn? Daher die Werte und die Grenzen, die Traditionen – damit die Leute nicht kopflos werden und törichten Einbildungen erliegen, damit sie geleitet werden. Ein Flackern in den Augen, ein gebrochenes Selbst. Wer bin ich in der Einsamkeit einer unstrukturierten Weite? Wer bin ich, wenn es keine Grenzen mehr gibt? Ich liebe unsere Zeit, sie reißt abgrundtiefe Wunden, sie führen tief hinab in Ground Zero. Freiheit, süßes Gift der Zerstörung.
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