Weg der Vorschriften

Es ist mir recht, wenn andere anderer Meinung sind, sogar willkommen. Glaubensbrüder oder Glaubensschwestern sind mir unangenehm, demnächst steht ein Verein an, Mitgliedsbeiträge sind zu entrichten und gemeinsame Ziele anzustreben. Die Moralgruppenbildungen der Gegenwart empfinde ich als Zumutung, gleich ob sie Klima, Geschlecht, Sprache, Nahrungsaufnahme, Elektromobilität, künstliche Intelligenz oder sonstwas betreffen. Ich möchte nicht Teil einer Moralgruppe werden, anderen nicht Vorschriften machen. Eßt Fleisch, raucht Tabak, trinkt Schnaps, fahrt Auto, kauft SUVs, fliegt in Flugzeugen, geht fremd, sprecht schlecht über mich oder sonstwen, verdammt alle, die anders denken oder leben oder reden oder handeln als ihr. Wir sind frei, wir dürfen Fehler machen, die stehen nicht unter Strafe. Wir müssen nicht andauernd einverstanden sein, uns nicht an die Hände nehmen. 1999 schrieb ich: „Laß mir meine Fehler / Ich brauche sie noch / Sie sind mein Bestes.“ Ich war fünfundreißig, alt genug. Jeder kann selbst, muß auch, sich verantworten. Da kann niemand helfen. Soll doch jeder selbst auf gute Ideen kommen und ein erneuertes Leben für sich entdecken. Wer erziehen will, fängt bei sich an, das nennt man Bildung. Predigten sind unnütz, ein gutes Beispiel aber leuchtet.


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