Sprechgrenze

Groß sind die Gedanken, und sie fliegen hoch und reichen weit. Groß ist auch der Mut, sich überwunden zu haben und sie freizugeben. Sollen sie reisen. Ich winke ihnen nach, zärtlichen Gefühls.

Mit einem Mal fühlt man sich einsehbar wie ein kleines, von innen leuchtendes Haus ohne Vorhänge. Doch nun ist es geschehen, und schon ist es zu spät.

Das Gesprochene ruft sich nicht zurück, deshalb schweigen manche. Ob sie klug sind – mag sein; jedenfalls sind sie vorsichtig. Von meinem Wesen her bin ich es nicht, ich habe gelernt es zu werden.

Was darf ich offenbaren, was bliebe lieber ungesagt (wenn schon nicht ungedacht)? Hinaus mit dem Zeug, ist meine Devise, fast von Anfang an.

Ich hatte es gut, man hörte mir zu. Du sagst die Dinge so, daß man sie annehmen kann, lobte mich eine Tante. Sie war klug und ich nahm das Kompliment an, es war Ehrung und Ansporn zugleich.

Später habe ich das „vornehme Schweigen“ kennengelernt. Es gefällt mir nichts sonders, auch wenn ich es verstehe. Man muß reichlich abgefrühstückt sein, um derart mundhaltend unterwegs zu sein. Blasiertheit gehört dazu, Ekel auch, ein Angewidertsein von menschlicher Meinung und Widermeinung.

Das beredte Schweigen ist mehr als nur Stilmittel. Ich habe Blicke getroffen, denen gegenüber jedes Wort ein verräterischer Akt und einer der Verringerung gewesen wäre. Dem Wort gebührt nicht alles, sonst löste sich die Welt auf oder ließe sich auflösen.


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