Strick um die Hörner

Das Narkotisierende der eingehenden Informationen – hier was da was, wie mein Bauerngroßvater murrte, auf Platt. Das klang: heia wat da. Das zweite wat ließ er weg, verstand ja ohnehin jeder, was er sagen wollte: Nerv mich nicht, dauernd ist was, kann man mal seine Ruhe haben? Seine Frau setzte ihm zu, die ließ keine Ruhe, trieb ihn an, wie sie sich antrieb. Beide starben früh, er noch vor ihr. Aufgerieben von harter Arbeit mit Anfang, Mitte sechzig. Die Bauern sahen alt aus, gingen gekrümmt, stromerten über den Hof zu den Hühnern, kramten in den Ecken herum auf der Suche nach diesem und jenem. Kann man alles noch brauchen, sagt der alte Mann in der blaugrauen Arbeitsjacke im Geräteschuppen und sortiert Alteisen, verrostete Schrauben und verwaiste Muttern, Scharniere und Kuhketten, Drahtenden und Schellen. Diese Erinnerungen gegen das Narkotisierende der eingehenden Informationen „aus aller Welt“, auf mich kommend, als sei China ein Nachbardorf und das Mittelmeer der Baggersee zwischen den Wiesen und Weiden jenseits der Bundesstraße 1. Die Rolltür muß geölt werden, die Rollen quietschen; im Hühnerstall bröckelt der Kitt aus den Fensterrahmen; eine Henne gluckt und gehört in den Jutesack, damit sie wieder zur Vernunft kommt. Immer was zu tun, heia wat da. An der Landwirtschaft war nichts romantisch, es ließ sich nichts daraus basteln, es ergab kein Weltbild. Alles dort war es selbst und sonst nichts. Das verstand mein Lehrergroßvater nicht, er sah, wo man sich totarbeitete, gesundes Volkstum walten und wirken. Nun ja, man wurde früh geerdet dort.


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