Wir saßen in der Küche und plauderten, tranken, rauchten. Einige saßen auf dem Boden, da war noch Platz. Es war wie früher, als niemand nach Hause mochte und erst der beginnende Tag erinnerte, daß es Zeit ist zu gehen. Nicht scheiden wollen, bleiben und verweilen. War ich selbst der Gastgeber, mochte ich meine Gäste nicht gehen lassen, denn mir war, als stürbe ich dann. Wozu gibt es Wohnzimmer – wohnt da wer, läßt sich dort leben? Ich erinnere mich an Hausfrauen, die wollten die gesellige Runde aus der Küche ins Wohnzimmer verlegen, dorthin „wo es doch schön ist“, gemütlich und bequem. Im Wohnzimmer aber auf den Sesseln und Sofas rund um den Couchtisch erlosch das Feuer des Gesprächs und der lebhaften Gedanken, es ließ nicht mehr entfachen. Das Wohnzimmer macht uns förmlich, steif und repräsentativ. Die Küche ist Werkraum und Labor, da köchelt was, wird zubereitet. Im Wohnzimmer dagegen passiert nichts, es ist die tote Mitte einer Wohnung. Dorthin kann man den Staatsgast plazieren, falls einer mal vorbeikommt, den künftigen König oder einen LED-Fernsehbildschirm mit 155 Zentimetern Diagonalmaß.
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