Positive Gleichgültigkeit

Schenk mir positive Gleichgültigkeit! wie an einen Gott oder eine Gebende. Ich wußte aber nicht, daß ich sie bereits besitze. Gegenüber Filmen beispielsweise, die in aller Munde sind: Matrix (1999), Pulp Fiction (1994), Brazil (1985). Da nun zwanzig oder mehr Jahre vergangen sind, wage ich mich nacheinander an die Meisterwerke des damaligen Geschmacks. „Solange die Matrix existiert, wird die Menschheit nicht frei sein.“ Ich stolpere über „die Menschheit“. Von der höre ich sonst nur, wenn Kolumnisten, Politiker oder Spendensammler auf Pathos gehen. Zuletzt heute – ich las, die Menschheit habe nun (endlich) einen gemeinsamen Feind, der müsse sie einen, sonst sei es zu spät … Der Feind heißt Klimakatastrophe. In Matrix ist die gleichnamige Installation der Feind. Dieser Film hat meine jüngeren Freunde geprägt, sie haben ihn mehrfach empfohlen. Als er erschien, waren sie Mitte zwanzig, es gab bereits das Internet, damals noch mit Telefoneinwahl und Modem, und eine dunkle Ahnung überschattete die Fortschrittseuphorie: daß die Neuerungen nicht zu unserem Besten sind, Künstliche Intelligenz zur Bedrohung wird. Dystopisch werden solche Filme genannt. Doch sie strotzen vor Bewunderung. Ihr kindlich staunendes Bewundern gilt jener Technik, vor deren Fehlsteuerung sie vorgeblich warnen möchten. Solange Langeweile, Neugier und Spieltrieb die Lotterie am Laufen halten, haben die Techniker der Macht leichtes Spiel. Solange die Zukunft immer nur vor uns liegt, wird niemand sich seitwärts in die Büsche schlagen.


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