Dicht an dicht

Nacht leuchtet dunkel und feucht. Gestern wie heute Überflüge, nicht die feindlichen Bomber, sondern Zugvögel südwärts. Ich flöge mit ihnen, gehörte ich dazu. Es war Sonntag, als ich den langen schmalen Weg ging über das Tempelhofer Feld, den Krähenweg (sie saßen dort zu hunderten und beäugten mich, letztes Jahr, ich mit dem Regenschirm durch sie hindurch, es war unheimlich), den Weg von West nach Ost, und ein Falke im Rüttelflug vor mir in der Luft stand, dann einen Sinkflug hinlegte, einen sanften Bogen beschrieb, dann beidrehte und auf mich zuflog. Ich sah die Zeichnung seines Gefieders, vor allem aber die riesenweit geöffneten Augen. Nicht ängstlich, sondern konzentriert, hellwach und ganz im Hier und Jetzt. Sein Ziel war ein Pfahl, hoch genug für einen Ausblick, für die sichere Rast. Doch es dämmerte bereits, die Nacht fiel ein. Die Nacht leuchtet in der großen Stadt, und ja, es gibt eine Lichtverschmutzung. Davon wollte ich nichts sagen, denn die Nacht, die ich meine, leuchtet elektrisch anders.


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