Ebbe und Flut und Grenze

Manche Leute sagen, daß sie gegen Grenzen sind. Dabei sind sie nur gegen bestimmte Grenzen, nicht jedoch gegen die anderen. Keine Grenzen wünschen sich diejenigen, die über alles herfallen oder alles anfassen und aus der Nähe besehen möchten. Die Vernünftigeren wünschen sich durchlässige Grenzen, doch wer durchgelassen wird, entscheiden selten sie. Wer wir sagt, kreiert die. Die sind die anderen, die nicht dazu gehören. Wer einschließt, schließt aus. Liebe zwischen zwei Menschen ist gut, aber die Dritte oder der Vierte sind nicht mit dabei. Wie hübsch ist das gelogen, wenn von Grenzenlosigkeit geschwärmt wird. Aus Naivität oder aus Selbsttäuschung? Nur noch wenige Tage bis zur Feier des Falls der Berliner Mauer und des innerdeutschen Grenzzauns. Diese Grenzen waren zum Fürchten und trennten auch falsch. Deshalb waren Bewaffnung und Todesandrohung bei illegaler Überschreitung nötig. Ein paar Irre sehnen sich zurück, als die Teildeutschen noch unter sich waren, eingeschlossen in ihre eilfertig erlernten und mühselig zurechtgeschusterten Weltbilder.


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Ebbe und Flut und Grenze

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert