Dem November

Die Gräber meiner Großeltern kann ich nicht mehr aufsuchen, sie wurden eingeebnet. Ich weiß, wo ihre „sterblichen Reste“ liegen, auf den Quadratmeter genau. Dort wächst jetzt Gras. Gedächtnis der Schritte, ich bin den schmalen Kiesweg zu ihren Gräbern oft genug gelaufen. Ich finde ihn im Schlaf. Efeu schneiden, die Pflanzen gießen, frische Blumen in die dunkelgrünen Vasen an Geburts- und Todestagen, Tannen- oder Fichtenzweige als schützende Decke zum Winter. Grablichter in den kleinen Ampeln ließen eines dieser Gräber weithin leuchten. Das war unüblich in meiner alten Heimat, der Großvater hatte sich diesen Brauch ausgeliehen für das Grab seiner Frau, die dort bereits lag, als ich noch nicht geboren war. Dann lag auch er dort, und nun sind alle Gräber fort. Wie wir vergehen, unsere Spuren „verwehen“, und doch bleibt was.


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