Ich lebte längst auf dem Land, hätte ich nur einen leisen Schimmer, was ich dort soll. Schimmer ist unmerkliches Licht, doch immerhin Licht, ein Hinweis darauf, daß ein Leuchten und Strahlen zu finden sein sollte. Ich lebte längst auf dem Land, doch ich weiß nicht, was ich dort soll. Das ergibt sich von selbst, habe ich gehört, du wirst Leute kennenlernen und allmählich auch mögen, du lebst dich dort ein. Dann kommen die Bilder: ein Acker im Morgennebel, Pferde auf der Koppel, Wolken über dem Waldstück. Begeisterte Hunde mit Ohren im Wind. Was ich dort soll. Soll ich den Himmel besingen, die Wolken, die scheuen Wildtiere, die sich verstellenden Haustiere? Das tue ich bereits. Von hier aus, inmitten der stummen Millionen, erkenne ich das Land besser als von dort, wo es angeblich ist. Ich komme von „dort“, ich bin ein Kind des Landes und der Landwirtschaft, ein halbes Bauernkind. Ich weiß immer noch nicht, was ich auf dem Land sinnvoll tun könnte. Mit den Tomaten habe ich es dieses Jahr probiert, hier in Berlin in unserem Hinterhof, von sechs Pflanzen hat eine überlebt, ich habe zwei rote Tomaten gegessen, fünf weitere liegen grün und zur Nachreifung auf dem Tisch. Da ich von dort stamme (Stamm, Baum, Pflanze), denke ich dauernd darüber nach, wie es dort wohl für mich wäre. Mythos. Welche Art der Rückkehr oder Heimkehr es für mich geben könnte, ‚back to the roots‘. Nicht in die Klischees gehen, Gottfried Benn lesen und auch verstehen. Jenen Benn nach der kurzzeitigen und willigen Bekehrung zu Volk und Gemeinschaft. Er war so bedürftig und krank, er wollte sich von seinem Intellekt erlösen lassen, Volksteil sein oder werden. Großer Gott, das mußte scheitern. Man kann nicht auf blöd machen, wenn man nicht blöde ist. Land ist in mir, das kann reichen.
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