Im Waldgras

… und am Morgen sichten, was in der Nacht entstanden ist! In der Nacht sind nicht nur Texte entstanden, sondern auch Träume, zum Beispiel der vom Haus am Waldrand. Der Wald hatte etwas Schlingpflanzenhaftes, das Haus war in ihn eingewachsen. Ich besichtigte die erste Etage, da war eine Wohnung frei mit vielen leeren Räumen, auf deren Fußbodenbrettern romantischer Staub lag, Zeitstaub. Es roch trocken und gut. Wer sonst in dem Haus wohnte, blieb undeutlich. Meines Wissens niemand. Die Empfehlung kam von einer alten Freundin: Sieh dir die mal an, die ist was für dich. Der Wintergarten stammte noch aus der Zeit des Kaiserreichs, Blick auf die Gärten und Felder einer mir unbekannten Landschaft. Da war auch ein Fluß, er floß dunkel und schwer im Glast der Mittagssonne, strömte gemächlich in den Horizont. Hier kannst du schreiben und einsam sein, dachte ich. Um das Haus war auch Wiese, ungemähtes Gras, kniehoch und knisternd, trocken und gelblich braun. Ein Rinnsal kam aus dem Wald, jemand hatte ein Brett übergelegt, ein Steg für Kinder oder alte Leute. Am Baum hing eine morsche Schaukel, Nachbarhäuser waren nicht zu sehen. Niemand hier, wußte ich also, es gab keine Nachbarn. Wenn du einziehst, und alles spricht dafür, mußt du Sorge tragen, hier nicht verrückt zu werden. Nachts kommen die Tiere ans Haus, du mußt dir Menschen einladen.


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