Ich weiß nicht, warum es mich erzürnt, wenn Freunde betonen, wie wichtig Rituale für eine Paarbeziehung sind. Vermutlich fürchte ich den Vorgang der Entleerung, der mit allem einhergeht, was Routine heißt oder Struktur. Vermutlich erstrebe ich das allzeit Lebendige, das Atmen und Pulsieren der Menschen, die sich verbunden sind und nicht eigens erinnert werden müssen, daß sie es sind. Sie müssen erinnert werden, sagen die Freunde, sonst schläft ein, was sie verbindet. Soll es doch einschlafen, denke ich. Ich bin nicht strukturkonservativ, scheint es. Das kann ich mir leisten, da in mir Vertrauen wohnt. – Jetzt, einige Stunden später, denke ich, daß Rituale so etwas sind wie Spaliere oder Gitter, an denen die Blumen emporranken können oder die Tomatenpflanzen sich halten. Ich bin nicht gegen Rituale, mich stören nur Angst und Mißtrauen.
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