Fängt mit G an

Tom Waits ist siebzig geworden. Es gab eine Zeit, da hörte jeder, der was auf sich hielt, seine Songs. Die Stimme klang nach durchrauchten Nächten und Whisky, Photographien zeigten einen Mann, der sich wenig Mühe zu geben schien, nicht einer Vogelscheuche zu gleichen. Wenn nur die Hälfte von dem stimmte, was er sang, mochte man sich davon eine Scheibe abschneiden, vor allem hier in Deutschland, wo Freiheit nicht gern gesehen ist. Die Studenten also hörten Tom Waits und konnten sich dadurch auszeichnen. Ich weiß nicht, ob man damals schon „voll kraß“ sagte – sicher dachte man es. In den „Programmkinos“ (als hätten die anderen keines) liefen Filme von Jim Jarmusch, auch Year of the Horse. Darin erklärt Frank „Poncho“ Sampedro, Gitarrist von Neil Young & Crazy Horse, dem Filmemacher mit den hochtoupierten weißen Haaren, es ginge ihm doch nur darum, einen „artsy-fartsy film to try to look cool and impress your New York friends“ machen. In den Dunstkreis einer Legende treten zu dürfen schmückt die Braven und Angepaßten. Einmal kurz die Atemluft geteilt, ein paar Worte gewechselt oder auch nur den Film gesehen, die Musik gehört, sich ausgekannt mit dem, was wirklich cool ist. – Schöne Verse im bisher letzten Album von Tom Waits: “ Ocean wants a sailor / Gun wants a hand / Money wants a spender / And the road wants a man“ (Face to the Highway). Oder: „They pay me not to come home“ (Pay Me). “ I’m the last leaf on the tree / The autumn took the rest / But they won’t take me“ (Last Leaf). Das kann nicht jeder, dazu braucht es – wie heißt das Wort, das wir abgeschafft haben?


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