Als werde Haut abgezogen

Das Warten ist schlimm. Nachricht, Anruf, Brief. Warten auf ein Zeichen der Erlösung. Bedürftig sein so ganz und gar. Ansonsten verloren, reif für die Abkehr. Dramatisierungen: nur du, niemand anderes, sonst sterbe ich. Das Hirn ein Tollhaus der Ängste und Befürchtungen, der Hoffnungen und Sehnsüchte. Ihnen ausgeliefert sein. Die Schrecken der aussichtlosen Liebe. Gähnender Abgrund unter den Schritten durch die Sekunden. Die Uhr tickt (irgendeine Uhr wird schon ticken). Das Herz schlägt seinen Takt, ängstlich und verwirrt. Zum Bahnhof laufen und den Nachtzug nehmen – und dann? dort? sie? Leben mag schwierig sein, lieben ist grausam. Warum reden die Erfüllten so befriedigt, so gesättigt und gestillt? Haben sie das Geheimnis gelüftet, das Drama entdramatisiert, sich in eine Komfortposition gebracht? Jedenfalls warten sie nicht mehr, wirken abgeklärt, winken ab, wenn jemand sagt „Gefühle“. Bloß das nicht. Arrangements, um nie wieder warten zu müssen. Man kann sich nicht der Liebe übergeben, sonst stirbt man.


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