Die endlosen Tage des Januar. Nimmt das denn kein Ende? Es nimmt eins – morgen ist Schluß mit Januar. 31 Türen links und rechts des Flurs, der früher dunkel war. Jemand muß irgendwo ein Loch oder gleich mehrere Löcher in die Decke geschlagen haben, denn plötzlich ist es hell im Januarflur, dem Flur 1 unseres großen Krankenhauses, das eigentlich ein Irrenhaus mit lauter schönen Patienten ist. Ich bin einer von ihnen und taumle die Türen entlang wie ein angeschossenes Tier, die Augen verdreht. Manche Tage gewähren keinen Einlaß, man hört nur diese unheimlichen Geräusche, als werde hinter verschlossener Tür operiert. Oder rundherum reiche Tage voller Licht und innerer Wärme, daß ich seufzend meinen Tagesraum betrete und allen einen Guten Morgen! wünsche. Sie schauen mich an, als sei ich gesund. Ich fange an, diesen Flur zu lieben, nun, da ich ihn verlassen soll. Die Zeit befiehlt. Nimmt das denn nie ein Ende? habe ich früher gedacht, oder auch gesagt. Von mir aus kann es länger noch Januar sein, in den Februar treten wir früh genug. Letzten Endes wird es Frühling, und wie soll ich den überstehen?
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.
Schöner Text!