Nacht, tiefe feuchte Nacht. Es tropft von den Dächern, den Rinnen, der Teerpappe. Irgendwo fiept etwas – ein Tier, ein technisches Gerät? Im Hausflur hängen die Briefkästen in metallener Reihe, die Hintertür ist verriegelt. Der Geruch im Flur ist mir fremd, es wurde gekocht. Letzte Nacht träumte ich vom Schlitzer, der zog durch ein altes Haus, das ich kenne. Ich hielt mich verborgen, alle anderen waren fort. Als ich erwachte, war es noch tief in der Nacht. Tief in der Nacht, das ist kurz nach zwölf Uhr, Geisterstunde sagten wir als Kinder. Ich kenne den Schlitzer nicht, habe ihn nicht gesehen, nicht sehen müssen. Nicht ist manchmal ein gutes Wort.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.