Zusammenhalt

Warum tun Menschen so etwas? fragt jemand in der Kommentarspalte unter der Nachricht, daß im hessischen Volkmarsen jemand mit dem Auto in einen Karnevalsumzug gefahren ist. Dreißig Meter hinein, es gibt Verletzte, darunter Kinder. Nähere Umstände sind bisher nicht bekannt, das lädt ein zu Spekulationen. Leben wir in unruhiger Zeit? Die Leute empfinden es so, werden nervös. Bei manchen schmoren die Sicherungen durch. Einige flüchten in paranoide Wahnwelten und wappnen sich gegen einen großmächtigen Feind, den sie sich geschaffen haben. Der Mensch wird nie mit sich fertig, bleibt Projekt, benötigt zur Selbststabilisierung ein kohärentes Weltbild. Kohärenzgefühl nannte Aaron Antonovsky die Fähigkeit eines Menschen, die Zusammenhänge des Lebens zu verstehen, die Überzeugung, das eigene Leben gestalten bzw. bewältigen zu können, sowie den Glauben an den Sinn des (eigenen) Handelns. Fehlt eines dieser drei Elemente oder ist nur schwach ausgeprägt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, daß ein Mensch erkrankt. Das Kohärenzgefühl handelt, wie leicht zu sehen ist, von Vertrauen. Es fehlt, so scheint es, an allen Ecken und Enden.


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