Rolf Dieter Brinkmann: aussichtsloses Herumwürgen an einer Wirklichkeit, der Entscheidendes fehlt. Nachkriegsdeutschland: verklemmte Wohlstandsrepublik in der Hochblüte eines Spießertums mit Gummibaum und Häkeldeckchen. Likörchen zum Filterkaffee. Weißer Riese wäscht weißer als weiß. Sinn fehlte, Freude fehlte, Haltung fehlte. Die Deutschen machten auf harmlos, stellten sich doof, schwiegen sich aus. Die waren kurz zuvor noch Teil des Großen Schreckens gewesen. Nun spielten sie Normalität, wuchteten Blumenkübel in die Vorgärten, sahen Heimatfilme. Daß was nicht stimmt, haben viele bemerkt. (Später schlug das politisch aus, vor allem aber popkulturell.) Brinkmann wußte, daß das nicht Leben war, sondern Schmierentheater („schmierige Realitätsschau“, „miese Schaubude“). Seine eigene Rolle darin war die unglückliche des Rebellen, des Provokateurs. Mit deutlich mehr Latten auf dem Zaun als Kinski. „Ihr wollt mich belehren, ihr über eure Realität? Mein Gott, ihr habt nur Wörter zur Verfügung.“
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