„Man betrachte sorgfältigst das kleinste Geschehen: im besten Falle gleichen sich die positiven und negativen Elemente, die dabei eine Rolle spielen, aus; gewöhnlich überwiegen die negativen. Ebenso gut könnte man sagen, es wäre besser gewesen, wenn es nicht stattgefunden hätte. Wir wären davon befreit, daran Anteil zu nehmen und es zu ertragen. Wozu dem, was ist oder zu sein scheint, etwas hinzufügen? Die Geschichte, eine unnütze Odyssee, hat keine Entschuldigung, und manchmal ist man versucht, die Kunst selbst zu beschuldigen, so zwingend das Bedürfnis, von dem sie ausgeht, auch sein mag. Schaffen ist nebensächlich; wichtig ist, in den eigenen Tiefen zu schöpfen, auf vollkommene Weise man selbst zu sein, ohne sich zu irgendeiner Ausdrucksform herabzulassen. Kathedralen gebaut zu haben bezeugt die gleiche Verirrung, wie große Schlachten geliefert zu haben. Es wäre besser, zu versuchen, tiefgründig zu leben, als die Jahrhunderte auf der Suche nach einem Bankrott zu durchqueren.
Wahrhaftig, durch die Geschichte gibt es kein Heil. Sie ist keinesfalls unsere fundamentale Dimension, nur die Apotheose der Erscheinungen. Ist es möglich, daß wir, wenn wir einmal unsere äußere Karriere abgeschafft haben, unser eigenes Wesen wiederfinden? Wird der nachgeschichtliche Mensch, ein völlig vakantes Wesen, fähig sein, in sich selbst das Zeitlose wieder zu erreichen, das heißt alles, was durch die Geschichte in uns erstickt wurde? Es zählen allein unsere Augenblicke, die sie nicht verseucht hat. Die einzigen Menschen, die imstande sind, sich zu verständigen, wirklich miteinander zu kommunizieren, sind diejenigen, die sich dieser Art von Augenblicken öffnen.“
Cioran, ebd.
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