In letzter Zeit denke ich häufiger als sonst an die Vorfahren und jene Ängste und Schrecken, denen sie ausgesetzt waren. Ich mag sie nicht aufzählen, sie sind bekannt. Worunter leiden wir denn, was fürchte ich? Fast möchte ich mich schämen und sie um Entschuldigung bitten, daß wir so jämmerlich sind, verängstigt bisweilen. Wir kennen keinen Krieg, wurden von Naturkatastrophen verschont, sind die Hätschelkinder der vergangenen Jahrzehnte. Ich gehöre Generationen an, die davon ausgehen und für sich beanspruchen, eines natürlichen Todes zu sterben, dermaleinst. Aber was spricht gegen den Tod, außer daß niemand sterben möchte, jetzt oder gleich? Das Vorurteil des Lebens besteht darin, sich wert zu finden. Die Religionen assistieren, erzählen Schmeichelhaftes. Das ehrt die Art. Sollte sich das Lebengefühl intensivieren, hätte sich die Krise gelohnt. Vor ihr war hier das Plätschern künstlicher Paradiese. Aber ich habe auch die gewaltigen Filteranlagen rauschen und summen hören, die draußen halten. Sie haben das Glück verkaufen wollen.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.