Heute ein Jubel in mir, als sei nun vorerst endgültig der Tod besiegt. – Nun vorerst endgültig! – Ich weiß nicht, aus welchen Quellen meine Freude sich speist. Aber ich weiß, wie eingezwängt ich lebte. Äußerer Druck, innere Entsprechung. Das Leben kann ein Tanz sein (und sei es mit dem Tod), aber schlimm genug ist es Kriecherei oder Viecherei. Sich durchquälen, malträtiert werden. Der Mensch, dieses schlecht behandelte Tier, nicht selten sich selbst ein Verdruß. Willst du wirklich wissen, was du von dir hältst? Brechts Gedichtfrage exakt das Quentchen, das ihm fehlte, vorwärts bewegt und die Spitze der Klinge auf die Brust gesetzt. Er richtete sie gegen seine Arbeit, das Schreiben im Sitzen, gegen die Ungerechtigkeit. Gedanken über die Dauer des Exils. Das Exil aber währt ewig, wenn man sich nicht befreit. Manchmal fragte ich mich bereits, ob es nicht besser für mich wäre, einmal in sogenannte echte Schwierigkeiten zu geraten. Hunger, Tod und Teufel. Da in mir aber ein jegliches so übertrieben groß ist, war ich ja bereits dort. Ich war bereits tot, ich litt Hunger, ich lernte den Teufel kennen (er grinste, verteilte Heroin).
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.