Wir stehen am Gabenzaun, es wird dunkel, alle müssen nach Haus. Seit der Corona-Sache gibt es diese Ecken für Gebrauchtes und Brauchbares. Da hängen oder liegen am Straßenrand oder auf einem Gebäudesims abgetragene Kleidungsstücke, Schuhe und Stiefel, ausgelesenen Bücher, Gegenstände des täglichen Bedarfs (Schuhputzbürste, Kleiderbügel, Kämme). Auch Lebensmittel werden ausgelegt: Brote und Brötchen, Äpfel und Bananen. Nicht einmal die Vögel gehen an die Brote, und die Kleidungsstücke verschmutzen in Regen, Wind und Wetter. Niemand soll verloren gehen, alle sollen spüren, daß sie bedacht werden. Das hat etwas Rührendes und Hilfloses, und ist das Hilflose nicht das eigentlich Rührende oder umgekehrt? Doch die Geste zählt, und es tut gut zu geben. Es ist so, wie es oft ist: die Handlung hilft dem Handelnden. Rührend auch der Hungersnot-Idealismus dieses Gebens. Niemand stellt volle Schnapsflaschen hin.
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