„Die kurrenten Thesen, die Sexualmoral habe sich gewandelt oder, wenn man das schon nicht bestreiten will, man renne offene Türen ein – die sind außerordentlich verwandt denen, daß es keine Ideologien mehr gäbe. […] Stattdessen ist das Bestehende als solches, daß es so ist und nicht anders sein kann, zu der allerstärksten Ideologie geworden. Man könnte sagen: die Realität ist heute zu ihrer eigenen Ideologie geworden; und diese Ideologie der Unveränderlichkeit dessen, was ist, übt einen unvergleichlich größeren ideologischen Zauber aus, als es je irgendwelche Ideologien getan haben, in denen ja immer irgend auch ein Wahrheitsmoment enthalten war, während die Distanz zwischen dem, was ist, und dem Geist in der gegenwärtig waltenden Ideologie vollkommen eingezogen ist.“
Theodor W. Adorno, Sexualtabus und Recht heute, Vortrag 1967
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