Unschwer

Manchmal sagen Freunde oder Verwandte versöhnliche Sätze, das freut mich. Manchmal vergolden sie eine Vergangenheit, an die ich mich noch gut erinnern kann. Aber welche Orte ich auch besuche, nie finde ich in dasjenige Gold, das sie zu meinen scheinen. Die Schulzeit – was daran soll golden gewesen sein? Ich erinnere mich gern an unsere Schulschwänzereien, die Kaffeehausbesuche, das Musikhören im Auto. VW Käfer, The Cure und Fire in Cairo, auch an Mantel und Frisur unseres Chauffeurs oder Fährmanns. Grüße dorthin! Aber golden? Golden leuchten die Spaziergänge und kleinen Wanderungen durch das Herbstlaub des Stadtwaldes, als das Leben noch weh tat. Eigentlich tauschte ich Tortur gegen Tortur. Schule gegen Armee und Armee gegen Studium. Nirgendwo zuhause. Versprengt wie ein Tropfen aus der Zentralberieselungsanlage im Hamelner Bürgerpark, wo das Betreten der kreisrunden Großgrünfläche verboten ist. Die soll flach und grün sein, optisch anspruchsvoll, ansonsten unbrauchbar. Da komme ich her, städtisch betrachtet. Man kann dort verrückt werden, ohne weiteres. Zum Glück stamme ich von auswärts, aus einem kleinen Dorf von einem kleinen Hof. Während des Ausmistens der Ställe las ich heimlich. Wenn ich doch wüßte, welches Buch es war. Während der Inneraumreinigung des Jagdpanzers Jaguar las ich Reclam-Montaigne, daran erinnere ich mich. Aber goldene Romantik gibt das nicht her. Wo war es wirklich schön? Im Herzen derer, die frei sind.


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