Ich saß einmal nach einem anstrengenden Stadt- und Wochenendprogramm im Kölner Dom in einer der Bänke recht nah der Eingangstür und fand meine Ruhe, obwohl pausenlos und in immer neuen Fuhren oder Ladungen neue Besichtigungsgruppen eintraten und eine Runde gingen, hierhin und dorthin schauten, flüsterten und zeigten, photographierten. Das war mir vollkommen egal, ich war fertig mit der Stadt und fertig mit dem Tag, ich wollte nur dort sitzen. Die Erschöpfung half, die anderen loszuwerden. Sie waren wohl noch anwesend, räumlich und objektiv, doch nicht für mich, der ich längst verinselt war. Die Säulen strebten aufwärts, die Bögen hielten in der Höhe die tragende Verbindung, Figuren saßen überall wie Gewährsleute der Macht und Hinterlist, kauerten herum wie Kobolde oder Dämonen, auch die einfältige Frömmigkeit war dargestellt, die Sanftmut des Gläubigen, die Inbrunst. Das legte sich auf mich oder umfloß mich oder ließ mich sein. Ich dachte nicht an Gott und fühlte ihn nicht, war nur froh, daß es diesen Ort gab, außerhalb dessen nur Gewerbe und Billigkeit zu existieren schien. Ich sitze sonst nicht in Kirchen, oft bekomme ich Atemnot. In Köln damals war es anders. Ich würde Parks schaffen mögen, offene und zugleich stille Räume der Einkehr und Meditation. Wir sind weit mehr als bloß Handel.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.